Kommentare der Jury zur Shortlist 2010
Jedes Jahr gibt es einen Tag im Kalender des Berg.Welten Teams, der dunkelrot angestrichen wird. Die Jurysitzung – der Tag der Entscheidung. Anschließend steht sie/er fest. Die Gewinnerin / der Gewinner von Berg.Welten. Auch heuer tagten wieder zwei Juryteams, immerhin galt es die Besten der Besten aus dem deutschsprachigen Reisejournalismus UND „Das beste Bergfoto des Jahres“ zu finden. Das ist uns gelungen und wir freuen uns, Ihnen die Top 5 der jeweiligen Kategorie präsentieren zu dürfen.

85 Artikel wurden von den beiden Vorjurorinnen Irmgard Kirchner und Cornelia Geißler genauestens unter die Lupe genommen. Ihre Vorauswahl wurde in einer zweiten Runde vom 5-köpfigen Juryteam - bestehend aus Erwin Brunner, Horst Christoph, Stefanie Holzer, Timm Klotzek und Karin Steinbach-Tarnutzer – begutachtet und diskutiert.
Mit Lorenz Wagners Artikel, „Der will nur spielen” (GEO Special) haben unsere Juroren einen würdigen Preisträger gefunden. Als „Zeitgeist-Journalismus im allerbesten Sinne” und „hervorragender Berg.Welten-Journalismus abseits der publizistischen Trampelpfade” wird sein Artikel in den höchsten Tönen gelobt. „Schön dargestellt ist der Kontrast von Bergbauernherkunft und moderner Kommunikationstechnologie, die sich im sommerlichen Rückzug auf die Alp wiederfindet.” Und so waren sich alle einig: Das „tschässt“ doch verdammt gut.

Sein „faszinierendes Porträt eines Mannes, der die eigenen Grenzen und vielleicht gar jene der Menschheit auslotet” brachte Lars Abromeit zum zweiten Mal in die Berg.Welten Shortlist. „Beinlos klettern” (GEO) ist ein Text, der auf meisterhafte Weise Staunen und Fürchten lehrt … und damit die Frage nach Zukunft und Grenzen des Machbaren aufwirft.

Karen Krüger berührte die Jury mit ihrem Artikel „Goldmedaillen gegen das Vergessen” erschienen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sehr persönlich und anrührend beschreibt die Autorin das Doppelgesicht der Berge rund um Sarajewo. Mit dem wohl ernsthaftesten Beitrag innerhalb der Vorauswahl schuf die Autorin einen „sprachmächtigen politischen Text, der den Blick auf ein verdrängtes Kapitel jüngster Geschichte richtet.“

In „Schwarz ist der Kaviar, weiß ist der Schnee“ (FAZ) gelingt Jakob Strobel y Serra „ein meisterhaftes Porträt einer klischeeverklebten Siedlung und der Bergwelt darum herum, auf die man nach diesem Text wieder klar sieht”. Originell formuliert, schildert der Autor das Verrückte am Reichsein, dem man in St. Moritz auf Schritt und Tritt begegnet. Jakob Strobel y Serra, der ja in der Berg.Welten Shortlist kein Unbekannter ist, konnte ebenfalls mit seinen handwerklichen Fähigkeiten punkten: „Der Autor verwendet die klassischen Mittel der Reportage, und er beherrscht sie, ebenso wie die Sprache, perfekt“, hieß es von der Jury.

Markus Wolff erzählt in seinem Artikel „Das Sterne Camp” (GEO Special) über eine „Expedition auf den Gipfel der Dienstleistungsgesellschaft“. Mit der Präzision eines Ameisenforschers, der in sein Mikroskop schaut, beschreibt der Autor das Basislager des Mount Everest und seine verbissenen Akteure. „Überraschend, absurd, witzig und traurig zugleich, in jedem Fall aber vergnüglich zu lesen”, findet die Jury.
Auch das Juryteam von Berg.Welten.Bild hat getagt, um das beste Bergfoto 2010 ausfindig zu machen. Freddy Langer (Leitung Reiseblatt, F.A.Z.), Jutta Krüger (Artdirektorin, GEO) und Bernd Ritschel (Bergfotograf) hatten die Aufgabe aus den 75 eingereichten Fotos das „Beste Bergfoto des Jahres“ zu prämieren. Wir freuen uns Ihnen die besten Fünf vorstellen zu dürfen.


Am Gipfel des Mount Everest streckt Hamish Fulton seinen Arm aus, richtet die Kamera auf sein Gesicht und schießt das Siegerbild von Berg.Welten 2010. Es erzählt „vom Blick in den eigenen Kopf, von den Gedanken, die einen in 8.850 Meter umtreiben” und ist „so etwas wie ein Spiegel, in den er wie zur Selbstbefragung schaut“. Von einer „fast erschreckenden Unaufgeregtheit“ sprachen die Juroren, und vielleicht gerade deshalb ist es ein so „erzählerisches Bild”. Hamish Fultons „Summit Portrait“ wurde in seinem Buch „The uncarved Block“ veröffentlicht.

Eine „interessante schöne Eisstruktur“ zeigt Ralf Gantzhorn in seinem Bild „Inexplorado” und sichert sich damit zum zweiten Mal einen Platz in der Shortlist. Mehr als dreiviertel der Bildfläche widmet er der fast senkrecht aufragenden Wand aus Schnee und Eis – winzig ist der Alpinist im Vergleich. „Es ist eine abweisende, lebensbedrohende Welt”, findet die Jury „die er dennoch in all ihrer verführerischen Schönheit zeigt”.

Thomas Stöckli, der Gewinner des Vorjahres, konnte sich auch heuer wieder mit einem Eyecatcher in die Shortlist reihen. In seinem Bild „6 am” hat der Fotograf „die Inhalte auf eine klare Grafik reduziert, bestehend aus markanten Linien sowie dem kontraststarken Spiel von Licht und Schatten“ und dadurch eine Aufnahme geliefert, die „erfrischend anders” ist.

Mit seinem Bergfoto „Dolomiten das steinerne Herz der Welt“ konnte Georg Tappeiner die Jury überzeugen. Auch wenn der Bildaufbau an gängige Normen nur angelehnt scheint, dieses Bild fesselt den Betrachter. „Man muss einfach immer wieder auf diese plastische Dolomiten-Landschaft blicken“, findet die Jury. Jedesmal wieder entdeckt das Auge neue Details. Die Tiefe und der dreidimensionale Charakter dieser Aufnahme machen sie zu etwas Besonderem.

„Geheimnisvolle skurrile Gesteinsformationen machen dieses Bergfoto interessant“, schwärmte die Jury von Michaela Walchs Bild „Schutz fürs Hochgebirge – Nationalpark Zillertal”. Die Innsbrucker Fotorgrafin zeigt einen Ort, der fast wie ein archaischer Kultplatz wirkt, „gleißende Lichtstrahlen und das sich ankündende Abendrot unterstützen diesen Eindruck“. Und so knipste sich Michaela Walch mit mehreren hundert Felsplatten und Steinmännchen in die Shortlist 2010.